Stuttgart unter Weinzierl im freien Fall

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Interne Störfeuer, eine leblose Mannschaft, ein ratloser Trainer: Die Gemengelage beim VfB Stuttgart ist fatal. Kapitän Christian Gentner nahm nach der Bankrotterklärung des Tabellenletzten kein Blatt vor den Mund.

„Wir stecken in der Scheiße drin“, sagte der Routinier des VfB Stuttgart nach dem ernüchternden 0:3 (0:2) gegen Eintracht Frankfurt, „das haben wir uns selbst zuzuschreiben. Und da müssen wir uns auch selbst herausziehen.“ Doch wie? Nach der dritten Pleite im dritten Spiel unter dem zunehmend ratlosen Trainer Markus Weinzierl macht nichts Hoffnung auf die Wende. „Die Situation ist wirklich schwierig, die ist heftig“, sagte der sichtlich angeschlagene Sportvorstand Michael Reschke, der Auftritt gegen starke Frankfurter sei „über weite Strecken nicht bundesligareif“ gewesen: „Die Niederlage hat wehgetan.“ Weinzierls Analyse war ebenso schonungslos. „Ich habe einen schönen Angriff gesehen, wo Gómez das Tor machen muss, aber in der Summe bleibt da nichts Positives hängen“, sagte er.

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Ex-Nationalspieler Mario Gómez hatte in der neunten Minute das 1:0 auf dem Kopf, verfehlte das Tor aber freistehend. Danach war der VfB Spielball des Frankfurter Dreizacks mit den Torschützen Sébastien Haller (11.) und Ante Rebić (32.) sowie Luka Jović. Als der eingewechselte Nicolai Müller (89.) den Schlusspunkt setzte, hatten sich selbst die treuesten VfB-Fans in der Cannstatter Kurve bereits verärgert abgewendet. Dem Schlusspfiff folgte ein minutenlanges Pfeifkonzert. „Das steht denen zu“, sagte Reschke. Beim Schicksalsspiel am nächsten Samstag in Nürnberg werde die Mannschaft den Anhang „wieder im Rücken haben“.

„So kannst du nicht agieren in der Bundesliga“

Und doch: Die Wut der Fans, die null Punkte bei 0:11 Toren unter Weinzierl, dazu interne Querelen mit der Kritik von Aufsichtsrat Guido Buchwald am Sportchef – „das ist eine Phase, die Bauchschmerzen verursacht, die mich auch, das muss ich offen zugeben, extrem belastet“, sagte Reschke. Zwar bekam der 61-Jährige intern viel Zuspruch, doch die Verantwortung für die verheerende Zwischenbilanz „ist zum großen Teil auch bei mir, das gräbt“. Eine „innere Zerrissenheit des Klubs“ wegen Buchwalds Aussagen, auf die Präsident Wolfgang Dietrich gereizt reagiert hatte, sieht Reschke nicht. „Wir gehen sehr partnerschaftlich miteinander um. Störfeuer müssen wir wegstecken“, sagte der Sportvorstand.

Dafür zerfällt die Mannschaft. In der Achse Zieler-Badstuber-Gentner-Gómez ist nur der Torwart in Normalform. Der Defensivverbund funktioniert nicht. „Wir haben gefühlt alle entscheidenden Zweikämpfe in der letzten Reihe verloren“, sagte Weinzierl, „so kannst du nicht agieren in der Bundesliga.“ Die Offensive ist viel zu harmlos. „Dass wir mit vielem nicht zufrieden sein können, ist ja offenkundig“, sagte Reschke. Zu diesen Mängeln kommen körperliche Probleme. „Wir waren fast in allen Spielen läuferisch unterlegen“, sagte Reschke. Pablo Maffeo und Berkay Özcan fallen nach Verletzungen am Sprunggelenk zunächst aus, Daniel Didavi und Anastasios Donis werden nach der Länderspielpause zurückerwartet. „Ich glaube, dass der Kader definitiv reichen wird, um die Klasse zu halten“, sagte Reschke. Doch dieser Glaube schwindet.