Stuttgart will gegen Frankfurt endlich Schritt aus der Krise

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Zwei Spiele, zwei 0:4-Niederlagen: Seit mehr als 50 Jahren ist kein Trainer mehr so schlecht bei einem neuen Verein gestartet wie Markus Weinzierl beim VfB Stuttgart. Am Freitagabend (20.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt möchten die Schwaben endlich den ersten Schritt aus der Krise machen.

Als Europapokal-Aspirant war Stuttgart nach der sensationellen Rückrunde der Vorsaison gestartet, inzwischen jedoch herrscht Ratlosigkeit. Gerade mal fünf Punkte sammelte der VfB aus den ersten neun Spielen, auch der Trainerwechsel von Tayfun Korkut zu Weinzierl brachte bislang keinen Erfolg. Im Gegenteil: 0:4 unterlag der 43-Jährige bei seinem Debüt gegen Dortmund, in Spiel Nummer zwei setzte es gegen Hoffenheim ein erneutes 0:4. Zwar wies Weinzierl anschließend nicht zu Unrecht auf die widrigen Umstände in beiden Partien hin – klar ist aber trotzdem, dass es nun dringend Punkte braucht, um nicht bis zum Winter schon den Anschluss ans Mittelfeld verloren zu haben. „Kleine und große Erfolgserlebnisse“ brauche sein Team, um sich Schritt für Schritt aus der Krise zu befreien, sagte Weinzierl vor seinem dritten Spiel als VfB-Coach. Seiner Mannschaft verordnete er daher erst mal eine defensivere Grundordnung – und vor allem: Optimismus. „Wichtig ist, dass man ruhig bleibt, dass man nicht nur Schwächen und Niederlagen sieht“, sagte Weinzierl. Verzichten muss er am Freitag auf Emiliano Insúa, der in Sinsheim früh die Rote Karte gesehen hatte. Ihn dürfte in der Innenverteidigung Holger Badstuber vertreten. Wieder mit dabei ist Dennis Aogo nach überstandenem Muskelfaserriss.

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Ganz anders als in Stuttgart ist die Stimmungslage rund um die Eintracht. Fünf Siege gab es aus den vergangenen sechs Pflichtspielen, darunter die Coups gegen Lazio Rom (4:1) und in Sinsheim (2:1). An der frischen Euphorie änderte auch der jüngste Dämpfer, ein 1:1 in Nürnberg, nichts. Gefestigt und selbstbewusst wirkt die von Adi Hütter neu formierte Truppe. „Mentalität“ besitze sein Team, sagte der österreichische Trainer vor dem Duell in Stuttgart, das zeige etwa der Last-Minute-Ausgleich von Sébastien Haller gegen Nürnberg. Dass sein Team in Franken insbesondere offensiv einiges vermissen ließ, machte Hütter an der Erschöpfung infolge der Europapokal-Partie fest. „Ein Stück weit schlapp“ sei die Mannschaft am Ende der englischen Woche gewesen. Diese Müdigkeit sei inzwischen jedoch überstanden, ergänzte Hütter. Einen „giftigen Eindruck“ hätten die Spieler zuletzt im Training hinterlassen, einen entsprechenden Auftritt erwarte er daher in Stuttgart. Dabei warnte Hütter davor, sich von der Platzierung der Schwaben blenden zu lassen: „Der Tabellenplatz stimmt nicht mit der tatsächlichen Qualität überein“, sagte Hütter vor dem Duell mit dem Schlusslicht. In die Startelf zurückkehren dürfte Haller, der als Zielspieler im Sturmzentrum gebraucht wird. Entwarnung gab Hütter bei Kevin Trapp, der Keeper könne „sicher spielen“, sagte der 48-Jährige. Lucas Torró dagegen fehlt erneut aufgrund einer Schambeinentzündung.

VfB Stuttgart: Zieler – Baumgartl, Badstuber, Pavard – Beck, Aogo – Gentner, Ascacíbar – Thommy – González, Gómez

Eintracht Frankfurt: Trapp – Abraham, Hasebe, N’Dicka – da Costa, Fernandes, Kostić – de Guzmán, Gaćinović – Haller, Rebić

Nicht die Mannschaft und noch viel weniger die Form sprechen vor dem Duell für den VfB. Ein Premierenerfolg für Weinzierl ist aber dennoch nicht ausgeschlossen. Denn dass die Eintracht verwundbar ist, bewies am vergangenen Sonntag das 1:1 in Nürnberg. Soll es klappen für Stuttgart mit wenigstens einem Punkt, braucht es wohl aber früh im Spiel ein Erfolgserlebnis. „110 Prozent“ forderte Weinzierl daher von seinem Team. Sollte es allerdings erneut eine Niederlage geben, würde die Ratlosigkeit beim VfB einen neuen Gipfel erreichen.