Tedesco findet Situation „irgendwie geil“

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Bundesligist FC Schalke 04 hat nach zwei Spieltagen noch keinen Punkt auf dem Konto. Mit der Situation gehen die Verantwortlichen der „Knappen“ allerdings ohne Nervosität um.

Krise? Welche Krise? Nach zwei Bundesliga-Pleiten mit nur einem Elfmetertor ist bei Vizemeister Schalke 04 von Panik nichts zu spüren. Beim einstigen Chaosklub herrscht Ruhe, und Trainer Domenico Tedesco findet den Fehlstart sogar „irgendwie geil“. Es sei eine „spannende Situation“, sagte der 33-Jährige vor dem schwierigen Auswärtsspiel am Samstag (18.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach.

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Es sei „geil, da wieder ein paar Stellschrauben drehen zu können, um dann wieder die Mannschaft zu sein, die eklig ist, vor der letztes Jahr der eine oder andere Gegner Angst hatte“, sagte Tedesco. Der Taktiktüftler, in der vergangenen Saison der Überflieger seiner Branche, ist als Krisenmanager gefragt – und freut sich darauf. „Es ist ein Prozess“, betonte er, „da haben wir richtig Bock drauf.“ Nach der ernüchternden 0:2-Heimpleite gegen Hertha BSC hatte der Schalker Coach noch ein wenig ratlos gewirkt. Sein Königstransfer Sebastian Rudy war mit einer Maßnahme aus der Fußball-Mottenkiste ausgeschaltet worden – mit Manndeckung. „Wir haben ein paar Lösungsansätze, die Mut erfordern“, sagte Tedesco und ergänzte: „Dafür braucht es erstmal Sicherheit.“

Taktik aus dem letzten Jahr soll helfen

Tedesco deutete an, zur erfolgreichen Taktik der vergangenen Saison zurückkehren zu wollen: weniger Ballbesitz, mehr Konter. In den nächsten Spielen gegen Gladbach, am Dienstag (21 Uhr) gegen den FC Porto und am 22. September gegen den FC Bayern München bietet sich eine defensivere Ausrichtung an. „Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen, um dann wieder zwei nach vorne zu machen“, sagte Tedesco. „Wir versuchen, unsere Werte wieder nach oben zu schrauben: Laufleistung, gewonnene Zweikämpfe, Luftduelle.“

Die Probleme, die der 33-Jährige zu Beginn seiner zweiten Bundesliga-Saison hat, sind vielschichtig. Die Abwehr um Routinier Naldo steht mit Neuzugang Salif Sané längst noch nicht so sicher wie in der vergangenen Spielzeit. Im Mittelfeld fehlen die Ideen und die Dynamik der abgewanderten Leon Goretzka und Max Meyer. Im Angriff läuft bislang gar nichts: Zwei Elfmeter und ein Eigentor sind die dürftige Ausbeute aus den ersten drei Pflichtspielen. „Wir müssen die Jungs mehr füttern, die verhungern da vorne“, klagte Tedesco.

Uth, Embolo und Burgstaller warten auf Tore

Nicht nur Guido Burgstaller, seit seiner Verpflichtung vor eineinhalb Jahren mit 25 Treffern der Torjäger vom Dienst, hat noch nicht getroffen. Auch Neuzugang Mark Uth, in der Vorsaison mit 14 Toren zweitbester Deutscher in der Bundesliga, hängt noch in der Luft. Und Rekordeinkauf Breel Embolo, 2016 für 22,5 Millionen verpflichtet, nährt nach nur fünf Treffern in zwei Jahren immer größere Zweifel an seinen Fähigkeiten. Eine Alternative wäre der 21-jährige Cedric Teuchert, der beim 6:0 der deutschen U21 in Irland mit einem Dreierpack glänzte. Auf Schalke durfte der Ex-Nürnberger seit seinem Wechsel im Januar nur für insgesamt 47 Minuten auf den Platz. „Wir werden nicht drumherumkommen, dass er spielen muss“, meinte Tedesco, „die Frage ist nur: Wann?“

Weston McKennie wird Tedesco wieder zur Verfügung stehen. Zwar handelte sich der US-Amerikaner in der Länderspielpause eine Knieverletzung ein. Diese allerdings ist nicht gravierend. Sportdirektor Axel Schuster gab grünes Licht für einen Einsatz: „Wir haben ihn gestern ins MRT geschickt: Er hat eine Knieprellung. Es hat auch sicher weh getan, aber das war gestern schon besser. Aus medizinischer Sicht steht dem nichts im Wege, dass er eingesetzt wird.“ Neuzugang Steven Skrzybski allerdings wird aufgrund einer muskulären Verletzung ausfallen.