Tedesco: „Hatten es mit der Angst zu tun“

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Sportvorstand Christian Heidel starb neben ihm gleich „mehrere Tode“, die Angst um ihn herum wurde immer größer – nur Domenico Tedesco blieb erstaunlich ruhig. Als nach sechs Minuten Nachspielzeit der erste Sieg endlich perfekt war, pustete der Trainer des FC Schalke 04 einmal kräftig durch.

„Da fallen schon einige Steine vom Herzen“, gab der 33-Jährige nach dem 1:0 (1:0) gegen den 1. FSV Mainz 05 zu. Über das erste Erfolgserlebnis nach der ersten Krise seiner noch jungen Karriere freute sich der Überflieger der letzten Saison eher im Stillen. Nach überschwänglichem Jubel war ihm nach dem Zittersieg nicht zumute. „Wir hatten am Ende eine Leidensphase“, sagte Tedesco. „Da hatten wir es mit der Angst zu tun.“ Mit zittrigen Knien und flatternden Nerven hatten die Königsblauen ihren ersten Vorsprung der Saison nach dem frühen Kopfballtor von Alessandro Schöpf (11.) über die Zeit gerettet, ihre historische Pleitenserie zum Auftakt beendet – und dabei nicht nur ihre Fans auf die Folter gespannt.

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„Ich weiß nicht, wie viele Tode ich gestorben bin“, sagte Sportchef Heidel, „ich habe jeden Ball drin gesehen. Die letzten zehn Minuten haben sich angefühlt wie zwei Stunden. Man merkt, dass die Angst kommt.“ Nach dem schlechtesten Saisonstart in der Schalker Bundesliga-Geschichte hatte sich der langjährige Mainzer Sportchef gegen seinen Ex-Klub nicht allein auf die Fußballkünste seiner Spieler verlassen. Einen Mini-Schornsteinfeger hatte er als Glücksbringer mitgebracht. „Den hat mir gestern Morgen der Schornsteinfeger gegeben“, berichtete Heidel und ergänzte schmunzelnd: „Ein bisschen abergläubisch ist man ja.“ Auf die blauen Sitze am Spielfeldrand für Trainer, Sportchef und Ersatzspieler hatte außerdem jemand Glücks-Cents gelegt. Woher sie kamen, wusste niemand – sie lagen bereits am Morgen dort.

Weiter arbeiten, Vollgas geben

Die Schalker konnten jeden Glücksbringer gut gebrauchen, denn die Nerven waren extrem angespannt. „Ich konnte die letzten Nächte nicht richtig schlafen“, gab Torschütze Schöpf zu, „ich habe immer nur gedacht: Wir müssen, müssen, müssen gewinnen.“ Dem Österreicher kam im entscheidenden Moment auch die tatkräftige Unterstützung der Mainzer zugute: Nach einer abgefälschten Flanke von Yevhen Konoplyanka sprang Kapitän Stefan Bell unter dem Ball durch, Schöpf konnte völlig unbedrängt einköpfen. „Riesige Erleichterung“ verspürte der Torschütze, „jetzt wollen wir ins Rollen kommen.“

Allerdings dämpfte auch Schöpf vor den nächsten Aufgaben am Mittwoch (18.55 Uhr) in der Champions League bei Lokomotive Moskau und am Samstag (15.30 Uhr) bei Fortuna Düsseldorf den Jubel. „Natürlich ist der Druck immer noch groß“, sagte er, „jetzt heißt es: weiter arbeiten, Vollgas geben. Wir müssen uns einfach mehr belohnen in den nächsten Wochen.“ Tedesco hatte im bislang wichtigsten Spiel seiner Karriere auf zwei seiner prominentesten Spieler verzichtet. Abwehrchef Naldo saß ebenso auf der Bank wie Königstransfer Sebastian Rudy – da, wo die Glücks-Cents lagen.