Tedesco in ungewohnter Lage

Foto: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Der FC Schalke 04 beendete die abgelaufene Bundesliga-Saison überraschend souverän auf dem zweiten Tabellenplatz. Der Start in die laufende Spielzeit verlief allerdings holprig. S04 hat nach zwei Spieltagen noch keinen Punkt auf dem Konto.

Eine stabile Defensive und viele Tore nach Standards bescherten Schalke in der letzten Saison insgesamt 63 Punkte. Das reichte, um als Vizemeister in die Champions League einzuziehen. Königsblau war auf dem Platz eine Einheit, jeder lief für jeden und das Team zeichnete sich durch eine große Moral aus. Mehrfach kam die Elf von Trainer Domenico Tedesco nach Rückständen zurück; nicht zuletzt beim 4:4 im Derby bei Borussia Dortmund gelang Schalke eine spektakuläre Aufholjagd. S04 war sehr schwer zu schlagen und setzte sich mit dem guten Ergebnis in der letzten Spielzeit automatisch großem Druck für die aktuelle Saison aus.

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Coach Tedesco stand für seine Spielweise in der Vergangenheit schon oft in der Kritik. Schalke trete nicht kreativ genug auf und spiele langweiligen Fußball. Noch eine Saison wie die vergangene werde den „Knappen“ nicht gelingen, hieß es. Und nach zwei Spieltagen in der aktuellen Spielzeit sieht es tatsächlich so aus, als könnte Schalke in diesem Jahr Probleme bekommen. Sowohl in Wolfsburg (1:2) als auch gegen Hertha BSC (0:2) verlor der amtierende Vizemeister; nun geht es mit null Punkten in die Länderspielpause, nach der das Auswärtsspiel in Gladbach (15. September, 18.30 Uhr) ansteht. Die Borussia ist gut gestartet und wird für Königsblau zu einer hohen Hürde werden. Nicht weniger schwierig wird das Duell mit dem FC Bayern München in der Woche darauf (22. September, 18.30 Uhr).

Das Kollektiv funktioniert noch nicht

Es wäre nicht fair, einzelne Personen für den schwachen Saisonstart verantwortlich zu machen. Vielmehr läuft es aktuell im Kollektiv nicht rund. Die Neuzugänge brauchen noch Eingewöhnungszeit, die schwerwiegenden Abgänge sind noch nicht kompensiert. Zwar hat sich S04 im Sommer mit einigen Spielern verstärkt, diese jedoch müssen das Spiel der „Knappen“ erst einmal verinnerlichen. Salif Sané gilt als großer Hoffnungsträger in der Defensive. Der Innenverteidiger wackelte an den ersten beiden Spieltagen allerdings noch gehörig. Auch die Umstellung von Dreier- auf Viererkette, die sowohl Transfers als auch Sperren oder Verletzungen einiger Akteure geschuldet ist, sorgt noch für Unsicherheiten. Dem Schalker Spiel fehlt es an Vertikalität, dazu kommen schwache Standards und eine instabile Defensive.

In der Mittelfeldzentrale wurden Leon Goretzka und Max Meyer abgegeben. Mit Omar Mascarell, Suat Serdar und besonders Nationalspieler Sebastian Rudy sorgte Sportvorstand Christian Heidel für adäquaten Ersatz. Das Zentrum hat sich bislang aber noch nicht gefunden, sodass es im Spielaufbau noch hapert. Die Konsequenz ist, dass Neuzugang Mark Uth, der im Sturm als Königstransfer des Sommers gilt, nicht mit genügend Bällen versorgt wird. So kann auch der Ex-Hoffenheimer nicht glänzen. Selbiges gilt für Breel Embolo und Guido Burgstaller. Alles in allem hat Trainer Tedesco noch viele Baustellen abzuarbeiten. Der 32-Jährige steht vor seiner bisher wohl größten Prüfung auf Schalke, denn erstmals kann er wirklich etwas verlieren.