Tedesco steht auf Schalke im Regen

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Als die vierte Pleite im vierten Spiel besiegelt war, platzte Domenico Tedesco der Kragen. Der Trainer vom FC Schalke 04 schrie den gerade ausgewechselten Stürmer Franco Di Santo wütend an, beide lieferten sich ein hitziges Wortgefecht.

Der Überflieger der Vorsaison steckt nach dem 0:2 (0:1) gegen den FC Bayern München nicht nur tief in seiner ersten Krise, sondern erlebt auch den ersten Krach. „Ich erwarte Respekt. Das ist auch gegenüber den Mitspielern respektlos“, ereiferte sich Tedesco nach dem Ausraster des Argentiniers. „Ein bisschen gute Erziehung wäre da nicht verkehrt.“ Di Santo hatte seine Auswechslung kurz nach dem 0:2 durch Robert Lewandowski (64., Foulelfmeter) lautstark kritisiert und angezeigt, dass der Coach besser die Nummer sieben, seinen Mitangreifer Mark Uth, hätte vom Feld nehmen müssen.

- Anzeige -

„Das geht gar nicht, das ist ein Unding“, meinte Kapitän Ralf Fährmann entsetzt. Di Santo entschuldigte sich zwar am späten Abend auf seiner Facebook-Seite, doch der Schaden war angerichtet. Die heile Schalker Fußball-Welt zeigt nur wenige Monate nach der überraschenden Vize-Meisterschaft hässliche Risse. Mittendrin der Erfolgsgarant der vergangenen Saison: Tedesco. Es hatte Symbolcharakter, dass trotz des geschlossenen Arenadachs das Wasser unablässig in seine Coaching-Zone stürzte. Von mehr als 62.000 Zuschauern im Stadion stand nur der Schalker Trainer im Regen. Fast alles, was in seinem ersten Bundesliga-Jahr so sensationell gut gelang, funktioniert nicht mehr. Die Abwehr um Naldo wackelt, schon zum dritten Mal kassierte Schalke durch einen Kopfball nach einer Ecke das 0:1 – diesmal durch James (8.). „Das bricht dir das Genick“, klagte Torwart Fährmann.

„Es gibt auf Schalke niemanden, der sich keine Sorgen macht“

Wieder schaffte es das Mittelfeld um Königstransfer und Ex-Münchner Sebastian Rudy nicht, die Stürmer in Szene zu setzen. Erneut zeugten lange Bälle aus der Innenverteidigung von zunehmender Verzweiflung. Und nun bröckelt auch noch der viel beschworene Teamgeist. „Es gibt auf Schalke niemanden, der sich keine Sorgen macht“, stellte Sportvorstand Christian Heidel fest und forderte mit Blick auf das Auswärtsspiel am Dienstag (20.30 Uhr) beim SC Freiburg: „Wir müssen jetzt irgendwann den Bock umstoßen.“ Danach folgen die Partien gegen den 1. FSV Mainz 05 und Aufsteiger Fortuna Düsseldorf.

Erst zum dritten Mal in seiner Bundesliga-Geschichte kassierte Schalke vier Niederlagen zum Saisonstart. 2010/11 landeten die Königsblauen am Ende auf Rang 14, Felix Magath – ebenfalls im Vorjahr Vizemeister – musste im Frühjahr gehen. 2016/17 reichte es nach fünf Startpleiten nur zu Platz zehn, für Tedescos Vorgänger Markus Weinzierl war am Saisonende Schluss. Tedesco, dessen Vertrag in der Sommerpause erst zu deutlich erhöhten Bezügen bis 2022 verlängert worden war, hat deutlich mehr Kredit. Noch war es Spaß, als Klubboss Clemens Tönnies nach der dritten Pleite in Mönchengladbach vor einer Woche dem Trainer in Anspielung auf die Weinzierl-Serie sagte: „Jetzt hast du noch zwei.“

McKennie fällt vorerst aus

Mit Blick auf die kommenden Partien droht derweil der Ausfall von Weston McKennie. Der Mittelfeldspieler zog sich bei einem Foul von James eine schwere Muskelprellung mit Einblutung am linken Unterschenkel zu und verließ die Arena auf Krücken. Wie die Schalker am Sonntagmittag mitteilten, muss der US-Amerikaner „vorerst pausieren“. Einen Vorwurf machte Tedesco James aber nicht. „Ich glaube, dass er den Ball spielen wollte“, sagte der Schalker Coach.