Torwarthoffnung Nübel: Einmal Rampenlicht und wieder zurück

Foto: Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images

Schalkes Torwart Alexander Nübel glänzte zuletzt als Ersatz für den verletzten Stammkeeper Ralf Fährmann. Die Zukunft gehört dem 22-Jährigen – doch zunächst wird er sich wieder hinten anstellen müssen.

Wie ein Zufallsprodukt sieht es nicht aus, wenn Nübel eine Glanzparade nach der anderen zeigt. Dabei war eine Karriere zwischen den Pfosten eigentlich gar nicht vorgesehen. „Bis zur U14 war ich im Mittelfeld aktiv“, erzählte er. „Als dann ein Torwart verletzt war, habe ich das mal ausprobiert, es lief ganz gut.“ So gut, dass Nübel einfach im Tor blieb und sich nun bei den Königsblauen ins Rampenlicht gespielt hat. Und der Aufstieg zum Schalker Shootingstar mutet wie ein Déjà-vu an. Schließlich ebnete wie damals als Jugendspieler beim SC Paderborn auch nun die Verletzung eines etablierten Keepers Nübel den Weg ins Tor. Als Schalker Urgestein und Kapitän ist Fährmann bei den „Knappen“ die unangefochtene Nummer eins. 117 Bundesliga-Spiele in Folge bestritt der 30-Jährige für Schalke, ehe er vor zweieinhalb Wochen beim Aufwärmen vor dem Duell gegen Werder Bremen über Adduktorenprobleme klagte. Nübel sprang ein – und nutzte seine Chance.

- Anzeige -

Bei seinem Champions League-Debüt im Hinspiel gegen Galatasaray parierte Nübel, der Ende September gerade einmal 22 Jahre alt geworden war, mehrfach glänzend und strahlte im tosenden Hexenkessel von Istanbul eine beeindruckende Ruhe aus. „Es war sehr geil“, kommentierte er danach cool. Auch beim 6:5 im Elfmeterschießen über den Zweitligisten 1. FC Köln im DFB-Pokal war Nübel durch einen parierten Elfmeter der gefeierte Held. Dennoch muss er seinen Platz im Schalker Tor bald wieder räumen. Die starken Leistungen des Fährmann-Ersatzes befeuerten zwar Spekulationen über eine Wachablösung – so wie 2006, als der junge Manuel Neuer den bis dahin unumstrittenen Frank Rost verdrängte. Doch diesen entzogen die Verantwortlichen der Königsblauen sofort den Nährboden.

Heidel: „Torwart für die Zeit nach Fährmann“

„Ralle ist unser Kapitän und unsere Nummer eins. Alex ist nominell unsere Nummer zwei. Alles andere überlegen wir nicht“, stellte Trainer Domenico Tedesco klar, bescheinigte Nübel allerdings auch, dass er „das richtig gut“ mache. Doch schon in der Partie am Sonntag (18 Uhr) beim DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt könnte Fährmann nach auskurierter Verletzung wieder zwischen die Pfosten zurückkehren, wie Tedesco am Montag in Aussicht stellte. Pluspunkte hat Nübel dennoch schon reichlich gesammelt – nicht zuletzt bei Sportvorstand Christian Heidel. Als einen „der talentiertesten Torhüter seiner Altersklasse“ bezeichnete er den Youngster und betonte: „Wir sehen Alex schon als Torwart für die Zeit nach Ralf Fährmann.“

Fußballerisch hat der 22-Jährige bereits jetzt die Nase vorn, in der Strafraumbeherrschung liegen die Vorteile jedoch noch bei Fährmann. „Was das Raumverteidigen, das Abfangen von Flanken und das Herauskommen angeht, gibt es keinen Besseren als Ralle“, erklärte Tedesco und ergänzte: „Wir sind froh, zwei super Torhüter zu haben.“ Um die Zukunft im Schalker Tor muss er sich jedenfalls keine Sorgen machen.