Turbulenter Adventssonntag beim FC Bayern

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Das vorläufige Ende der sportlichen Krise durch ein 2:1 beim SV Werder Bremen war spätestens am Sonntagnachmittag beim FC Bayern München nur noch eine Randnotiz. Trotz des ersehnten Erfolgs erlebte der deutsche Rekordmeister ein unruhiges und reichlich turbulentes erstes Advents-Wochenende – dank Uli Hoeneß.

Der Präsident ging im Dauerstreit mit Paul Breitner erstmals in die Offensive und erhob heftige Vorwürfe gegen den ehemaligen Kumpel. „Paul Breitner wird zum Märtyrer gemacht. Aber Paul Breitner ist nicht Opfer, sondern Täter“, sagte Hoeneß am Sonntag bei einem Fanklubbesuch im oberfränkischen Kersbach und schloss eine Versöhnung kategorisch aus: „Dieses Verhältnis ist nicht mehr zu kitten, er hat den Rubikon überschritten.“ Zudem brach sich am Ende einer harmonischen Veranstaltung mit Blasmusik, Folklore und viel seelenwärmendem Zuspruch auch noch der angestaute Frust über die ungewohnten Attacken bei der Jahreshauptversammlung Bahn – und der Patron stellte erstmals sogar seine Zukunft als Präsident seines FC Bayern infrage. „Ich werde in aller Ruhe die nächsten Wochen und Monate beobachten, wie sich das alles entwickelt, werde mir viele Gedanken machen und entscheiden, was ich will und was nicht. Dieser Abend geht nicht spurlos an einem vorüber und man kann nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagte der 66-Jährige, noch bis 2019 gewählt.

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Die teils massiven und auch unsachlichen Attacken eines Bayern-Mitglieds am Freitag hatten den mächtigen Hoeneß tief gekränkt, ja „schockiert“. Auch die Buhrufe, Pfiffe und Beschimpfungen, die an ihn gerichtet waren, hinterließen deutliche Wirkung. Es sei ein Versuch gewesen, „meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Präsident zu beschädigen“, sagte er. Er habe 40 Jahre daran gearbeitet, dass der FC Bayern dort stehe, wo er jetzt angelangt sei, fügte Hoeneß an, und setzte hinzu: „Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt, und ich hoffe, dass sich das wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern. Denn das ist etwas, was ich nicht akzeptiere.“ Hoeneß habe sich zusammenreißen müssen, „sonst wäre das möglicherweise alles aus dem Ruder gelaufen. Wenn ich so reagiert hätte wie früher, dann gute Nacht.“

„Wenn er ein Problem mit uns hat, soll er uns das selbst sagen“

Ebenso deutliche wie vorwurfsvolle Worte fand Hoeneß allerdings im Konflikt mit Breitner. Dieser habe in den vergangenen acht Jahren „fast zwei Millionen Euro Honorar bekommen für 15 bis 20 Vorträge vor Sponsoren. Er hat Anfang 2017 nach einer Auseinandersetzung mit Karl-Heinz Rummenigge diesen Vertrag hingeschmissen.“ Nach dem „unsäglichen Auftritt“ bei Blickpunkt Sport habe die Bayern-Führung dann beschlossen, „dass wir ihm nahelegen, nicht mehr in den Ehrengastbereich zu kommen. Denn er hat in einer unsäglichen Art und Weise den FC Bayern beschädigt“, polterte Hoeneß. „Wenn er ein Problem mit uns hat, soll er uns das selbst sagen – und nicht den Weg über die Presse gehen.“

Schon bei der Jahreshauptversammlung der Bayern am Freitagabend hatte Hoeneß betont, dass es kein Zurück gebe: „Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam – und das war’s für mich.“ Der Umgang mit Breitner war auch ein Kritikpunkt bei der Versammlung im Audi Dome gewesen. Ansonsten ging es um die inzwischen legendäre Bosse-Pressekonferenz im Oktober, einen katarischen Sponsor des FC Bayern, Hoeneß‘ Wortwahl und einiges mehr. „Der FC Bayern ist keine One-Man-Show“, wurde dem Macher vorgeworfen. Aus Hoeneß‘ Sicht seien dies „polemische Behauptungen und fast alles falsche Unterstellungen“ gewesen. Eine gewisse „Grundunzufriedenheit“ ist ihm aber nicht entgangen. Entscheidend dürfte deshalb wohl die Übergabe der Macht an einen Nachfolger sein. Oliver Kahn, das verdeutlichte Hoeneß, „spielt in unseren Überlegungen eine Rolle“. Vorstandschef Rummenigge wird aber seinen Vertrag wahrscheinlich bis 2021 verlängern – und einen Sportvorstand Kahn als Zwischenlösung kann sich Hoeneß nicht vorstellen.