Völler über Nürnberg-Spiel: „Ich hätte nicht angepfiffen“

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Das Gespräch mit Bibiana Steinhaus hätte sich Rudi Völler schenken können. Die Unterredung fand schließlich erst nach dem fragwürdigen Wasserball von Nürnberg statt, der Sport-Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen bekam also nur noch bestätigt, was die Schiedsrichterin eh schon entschieden hatte.

„Ich habe sie gefragt, ob sie zu Beginn des Spiels überlegt hat, anzupfeifen“, berichtete Völler, trotz Dauerregen und stellenweise Aquaplaning auf dem Rasen hätten Steinhaus aber wohl keine fundamentalen Zweifel geplagt: „Sie fand es nicht ganz so schlimm.“ Mit der diskutablen Entscheidung, das erste Montagsspiel der Saison trotz der mindestens grenzwertigen Umstände anzupfeifen, tat Steinhaus vor allem den Gästen keinen Gefallen. „Die zwei Punkte, die wir nicht holen, die tun weh“, sagte Völler, „unter normalen Bedingungen“, behauptete er, wäre „mehr drin gewesen“ als ein 1:1 (1:0).

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Die Nürnberger mochten da nicht widersprechen. „Die Bedingungen haben uns sicher in die Karten gespielt. Man muss fairerweise sagen, dass wir es bei normalen Verhältnissen schwer gehabt hätten“, sagte Georg Margreitter. Der Verteidiger glich mit einem abgefälschten Schuss (56.) die Führung der Leverkusener durch Kai Havertz aus (30.). Adam Zreľák gelang fast noch der Siegtreffer für den Aufsteiger (88.), doch das wäre des Guten zu viel gewesen. Beim „Club“ waren sie mit dem Punkt zufrieden – auch wenn die Mannschaft von Trainer Michael Köllner, dem Sportvorstand Andreas Bornemann vor dem Spiel zum wiederholten Male die Sicherheit des Arbeitsplatzes auch für den Fall eines Abstiegs zugesagt hatte, nun schon sieben Spiele nacheinander nicht mehr gewonnen hat.

Spiel war zum Teil stark beeinträchtigt

Die Leverkusener haderten noch ein wenig mit der Entscheidung von Steinhaus. „Ich hätte nicht angepfiffen“, sagte Völler, das habe er bereits in der Pause und trotz der Führung kund getan. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als sich bei phasenweise wolkenbruchartigem Dauerregen immer mehr Pfützen auf der fränkischen Seenplatte bildeten, habe das „mit Fußball nichts zu tun gehabt“. Trainer Heiko Herrlich empfand die Verhältnisse als „eigentlich irregulär“. Eine vertretbare Einschätzung. Das Spiel war zum Teil stark beeinträchtigt.

Allerdings waren die Leverkusener ein bisschen selbst schuld, dass auch sie in der zweiten Halbzeit ein wenig ins Schwimmen gerieten. Zuvor hatten sie den „Club“ geradezu an die Wand gespielt, versäumten es aber, weitere Treffer zu erzielen. Nach der Pause gaben sie den Sieg aus der Hand. „Das war ein Spiel, da musst du einen Dreier einfahren“, klagte Völler, so aber besteht dringender Nachholbedarf. „Acht, neun Punkte“ aus den verbleibenden vier Spielen bis Weihnachten „hätte ich schon gerne, dass wir den Anschluss einigermaßen halten“, ergänzte er. Den Nürnbergern droht derweil das achte Spiel nacheinander ohne Sieg: Am Samstag müssen sie zum FC Bayern nach München.