Wagner: Gelobt, aber hinten dran

Foto: Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images

Niko Kovač findet Sandro Wagner klasse. Für Lob kann sich der meinungsstarke Torjäger allerdings nicht allzu viel kaufen, er steht sowieso klar im Schatten von Robert Lewandowski und nutzt zudem das wenige Licht nicht, das ihm bleibt.

„Als Typ ist er ein ganz feiner Kerl, ein toller Mensch und guter Fußballer, der sich tagtäglich reinschmeißt“, sagte Kovač über seinen Mittelstürmer Nummer zwei. Vor dem Champions League-Duell mit Ajax Amsterdam am Dienstagabend (21 Uhr) kam der 30-Jährige auf 104 Einsatzminuten in dieser Bundesliga-Saison, in denen er zwar Möglichkeiten hatte, aber nicht traf. Nach dem Remis gegen den FC Augsburg (1:1), Wagners bisher einziger Bewährungschance von Beginn an, urteilte Kovač: „Sandro hat das gut gemacht, hatte aber nicht das nötige Quäntchen Glück, das man als Stürmer einfach braucht.“

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In der vergangenen Saison unter Jupp Heynckes war dies noch ganz anders, da imponierte Wagner nahezu bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bot. In der Rückrunde der Bundesliga-Spielzeit 2017/18 gelangen Wagner acht Treffer, er betrieb beste Eigenwerbung und war sich sicher, dafür mit der WM-Teilnahme belohnt zu werden. Doch Bundestrainer Joachim Löw setzte nicht auf den wuchtigen Angreifer. Seit Mario Gómez und Nils Petersen statt Wagner ins DFB-Trainingslager vor der WM in Russland durften, hat den Bayern-Angreifer augenscheinlich das Glück ein bisschen verlassen.

Bayern-Interesse an Piątek?

Wie er die Dinge selbst sieht, ist nur zu erahnen, er hält sich derzeit mit öffentlichen Äußerungen zurück. Viele fanden zudem seine Reaktion auf die Ausbootung übertrieben. Wagner stand nach seinem voreilig wirkenden Rücktritt aus der Nationalmannschaft öffentlich da wie die berühmte beleidigte Leberwurst. „Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse“, ließ Wagner damals wissen. Zwar hat es inzwischen ein klärendes Gespräch gegeben und Wagner dankte Löw öffentlich auch dafür, ihn überhaupt zum Nationalspieler gemacht zu haben, aber einen Gefallen tat sich Wagner im Mai nicht.

Die Sport Bild schrieb nun, der polarisierende Profi sei derzeit einer von vier Spielern im Kovač-Kader, die gehörigen Frust schieben. In den nächsten Monaten muss Wagner ohnehin seinen Platz beim FC Bayern verteidigen, denn Spekulationen um möglichen Zuwachs sind ja quasi stets präsent. Aktuell wird den Münchnern ein Interesse an Polens „neuem Lewandowski“ nachgesagt, wie Krzysztof Piątek vom FC Genua medial bereits tituliert wurde. Der Rekordmeister soll Scouts nach Italien entsandt haben, wo der 23-Jährige aktuell trifft, wie er will. Piątek hat einen herausragenden Saisonstart erwischt und eine glänzende Perspektive. Das kann man von Wagner gerade nicht behaupten.