Wegen Demos in Chemnitz: Dresden gegen HSV abgesagt

Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Die Deutsche Fußball Liga hat das für Samstag geplante Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und dem Hamburger SV auf Drängen der sächsischen Polizei abgesagt. In Chemnitz sind am selben Tag mehrere Demonstrationen geplant, die Polizei hatte aufgrund des benötigen Aufgebots in Chemnitz um eine Verlegung der Partie in Dresden gebeten.

„Auf Weisung“ des sächsischen Innenministeriums sei das Spiel des Bundesliga-Absteigers in Dresden abgesagt worden, teilte die DFL am Freitagabend mit. „Hintergrund ist eine Verfügung des Staatsministeriums, dass aufgrund von Demonstrationen in Chemnitz am Samstag für das Spiel in Dresden vorgesehene Polizeikräfte dort nicht zur Verfügung stehen können.“ Zuvor hatte sich bereits der sächsische Polizeipräsident Jürgen Georgie auf einer Pressekonferenz geäußert. „Wir müssen auch unter Abwägung aller dieser Umstände berücksichtigen, dass die Kräfte, die wir in Chemnitz brauchen, Auswirkungen auf andere Ereignisse haben werden. Für den Freistaat Sachsen haben wir darum gebeten, die morgige Begegnung zwischen dem HSV und Dynamo Dresden zu verlegen“, sagte Georgie. Die Polizei müsse sich bei den Demonstrationen auf eine Teilnehmerzahl im unteren fünfstelligen Bereich einstellen.

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Die Partie des vierten Spieltags war mit mehr als 30.000 Zuschauern, darunter 3.000 Hamburger Fans, ausverkauft. „In sportlicher Hinsicht ist das eine Vollkatastrophe“, sagte Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born bei Sky. „Wir hatten auf diese Entscheidung keinerlei Einfluss und bedauern die Spielabsage sehr, weil wir uns wie über 30.000 Fans auf ein Fußballfest gefreut hatten.“ Auch der HSV, der sich bereits auf dem Weg nach Dresden befand, äußerte sich enttäuscht. „Natürlich hätten wir gerne morgen in Dresden gespielt und sind sportlich vorbereitet gewesen, entsprechend enttäuscht sind wir von dieser Absage. Aber wir müssen wie unser Gegner der Anordnung des sächsischen Innenministeriums folgen“, sagte HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann. Ein Nachholtermin für die Begegnung steht noch nicht fest. Beide Vereine teilten mit, dass die Eintrittskarten ihre Gültigkeit behalten. Anfang der Woche sollen Gespräche über eine Neuansetzung stattfinden.

Vor dem Hintergrund des gewaltsamen Todes eines 35-Jährigen am vergangenen Wochenende war es in Chemnitz bereits am Sonntag und Montag zu Demonstrationen, gewaltsamen Ausschreitungen und fremdenfeindlichen Übergriffen gekommen. Tatverdächtig sind zwei Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien. Am Samstagnachmittag will unter dem Motto „Herz statt Hetze“ ein breites Bündnis in Chemnitz gegen Fremdenfeindlichkeit demonstrieren, es werden auch Bundespolitiker erwartet. Zudem haben nach derzeitigem Stand der AfD-Landesverband Sachsen und die Bürgerbewegung Pro Chemnitz zu Demonstrationen im Chemnitzer Stadtgebiet aufgerufen. Daher hatte die Polizei aufgrund des zur Absicherung benötigen Großaufgebots um eine Verlegung der Partie in Dresden gebeten.