Werder will mit Offensivfußball nach Europa

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Der SV Werder Bremen hat sich im Laufe der vergangenen Saison aus den Untiefen des Abstiegskampfes ins gesicherte Mittelfeld gearbeitet. In der neuen Spielzeit wollen die Grün-Weißen den fußballerischen Aufschwung fortsetzen. Dabei formulierte Geschäftsführer Frank Baumann ein sehr ehrgeiziges Ziel.

„Wir wollen nach Europa. Das ist ein ambitioniertes Saisonziel, aber die letzten Monate unter Florian Kohfeldt haben gezeigt, dass es realistisch ist“, sagte der Ex-Profi am Donnerstag. Rückkehrer Claudio Pizarro hatte ebenfalls angekündigt, mit Bremen „europäische Spiele erreichen“ zu wollen. Der 39-Jährige wechselte zum vierten Mal an die Weser und dreht seine letzten Runden als Profi. Der Peruaner ist einer von fünf offensiven Neuzugänge: Mit Yūya Ōsako und Martin Harnik holten die Norddeutschen zwei weitere Stürmer, mit Kevin Möhwald und Davy Klaassen verpflichteten sie außerdem zwei torgefährliche Spielmacher. Coach Kohfeldt hat die Qual der Wahl und gleichzeitig die Aufgabe, die Vielzahl an offensiven Akteuren bei Laune zu halten.

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Geringer ist die Auswahl dagegen im defensiven Mittelfeld: Im Falle eines Ausfalls von Philipp Bargfrede stünde Werder ohne echten Sechser da. Mit Ole Käuper und Jean-Manuel Mbom gäbe es zwei Nachwuchskräfte als Alternativen. Erstgenannter hat sich im DFB-Pokal bei Wormatia Worms (6:1) jedoch direkt verletzt und wird drei bis vier Wochen fehlen. Geschäftsführer Baumann lässt sich die Möglichkeit eines weiteren Transfers offen, sieht allerdings keine absolute Notwendigkeit. Das defensive Mittelfeld ist die letzte offene Baustelle im Bremer Kader. Mit Luca Caldirola, Thanos Petsos und Aron Jóhannsson stehen zudem noch drei Profis im Kader, mit denen Kohfeldt nicht plant.

Identifikation durch die Ebenen

In Worms hat sich – wenn auch „nur“ gegen einen Regionalligisten – angedeutet, welch offensives Potenzial in der Mannschaft schlummert. Mit Klaassen hat Werder einen spielstarken Organisator verpflichtet, im Angriff tummeln sich die Optionen. Über allem thront Neu-Kapitän Max Kruse, der die Bremer Fans mit seinem Treuebekenntnis verzückte. In der Defensive ist alles beim Alten geblieben: Die Viererkette mit Theodor Gebre Selassie, Miloš Veljković, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson konnte zusammen gehalten werden. Keeper Jiri Pavlenka war einer der stärksten Rückhalte der abgelaufenen Bundesliga-Saison.

In der sportlichen Führung gibt es dagegen ebenfalls ein neues, altes Gesicht: Der langjährige Erfolgstrainer Thomas Schaaf ist neuer Technischer Direktor. Mit dem 57-Jährigen, Trainer Kohfeldt, Geschäftsführer Baumann und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Marco Bode setzen die Grün-Weißen nicht nur auf eine Menge sportliche Kompetenz, sondern auch auf Identifikation durch die verschiedenen Ebenen des Vereins. „Attraktiv, anfassbar und erfolgsorientiert“ soll das Werder Bremen der Zukunft laut Baumann sein. Die neue Erfolgsformel: rasanter Offensivfußball auf dem Platz, sympathische Bodenständigkeit abseits des Spielfelds.

Der Saisonstart muss gelingen

Zumindest für die sportlichen Ziele müssten die Norddeutschen in dieser Spielzeit allerdings von Beginn an funktionieren. In den vergangenen beiden Jahren legten die Bremer komplette Fehlstarts hin, die jeweils einen Trainerwechsel nach sich zogen. In der Rückrunde erfolgte unter neuer Führung der fußballerische Aufschwung, der in beiden Fällen noch in die obere Tabellenhälfte führte. Kann Werder in der anstehenden Saison die Qualität des Kaders vom Start weg auf den Rasen bringen, könnten sich das offizielle Saisonziel und Pizarros Wunsch von den europäischen Spielen für die Spielzeit 2019/20 erfüllen. Auch wenn der Bremer Rekordtorschütze dann wohl nicht mehr an Bord sein wird.