Werner und die Erinnerung an alte Zeiten

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Ein bisschen sah sich Timo Werner an alte Zeiten erinnert. Er, der umjubelte Torjäger. Emil Forsberg, der gewitzte Vorbereiter. Der 3:2 (2:1)-Sieg gegen Hannover 96 beamte RB Leipzig für einen Augenblick wieder in die Vergangenheit.

„Emil hat in Top-Form die Liga schon einmal auseinandergenommen. Das kann er auch wieder machen“, sagte Werner. „Ich freue mich, dass ich derjenige sein darf, der am Ende der Kette steht und seine Bälle verwerten darf.“ Und genau dies tat der Angreifer gegen die Niedersachsen. Mit zwei Treffern nach Forsberg-Vorlage (40./63.) schoss der Nationalstürmer seinen Klub zum so wichtigen ersten Saisonerfolg im dritten Bundesliga-Spiel. Vier Punkte statt nur einem oder zweien – das liest sich erst einmal gut. Dass RB ansonsten aber noch einiges zum Niveau aus der Bundesliga-Debütsaison 2016/2017 fehlt – damals hatte Werner 21 Tore geschossen und Forsberg 22 Assists gegeben – wusste der Stürmer selbstverständlich auch.

- Anzeige -

„Natürlich ist es für einen Stürmer immer schön, wenn man trifft. Aber das Wichtigste war, dass wir heute gewonnen haben“, sagte Werner. „Es war ein hartes Stück Arbeit.“ Unter anderem auch für ihn. Fast sinnbildlich, dass er sich in der Endphase entkräftet auf den Rasen setzte und mit Schmerzen in den Beinen ausgewechselt werden musste. Viel war er gerannt, aber seine zwei Tore sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass er zuvor mehrere klare Gelegenheiten ungenutzt ließ. „Man muss ihn und die anderen immer wieder pushen. Zu Torchancen kommen die immer. Das letzte Glück fehlt manchmal“, sagte Forsberg. Der Schwede selbst zeigte zwar laut Trainer Ralf Rangnick seine beste Saisonleistung, auf Vizemeister-Level ist auch er aber noch lange nicht. Wie die gesamte Mannschaft. „Wir haben uns gut belohnt, aber schnell auch immer wieder bestraft“, fasste Werner treffend zusammen.

Haarsträubende Fehler in der Defensive

Zwar reduzierten die Sachsen gegen Hannover die gegnerischen Torchancen, wie Rangnick es gefordert hatte, aber die zwei Gegentore fielen nach teils haarsträubenden Fehlern in der Defensive. Vor dem 1:1 verzettelte sich RB-Kapitän Willi Orban im Tackling mit Ihlas Bebou, dessen Flanke Leipzigs Stefan Ilsanker mit dem Oberschenkel unfreiwillig auf den Torschützen Niclas Füllkrug (13.) ablegte. Vor dem 3:2-Anschlusstreffer durch 96-Verteidiger Miiko Albornoz (65.) fühlte sich niemand für den Chilenen zuständig. Der nächste Belastungstest für Werners Team kommt bereits am Donnerstag (21 Uhr) beim Auftakt der Europa League-Gruppenphase gegen den Schwesterklub FC Red Bull Salzburg.

Dann ist auch Jean-Kévin Augustin wieder eine Alternative für Werner oder Yussuf Poulsen, der gegen Hannover in der 9. Minute das 1:0 geschossen hatte. Augustin konnte gegen 96 nur auf der Tribüne Platz nehmen, weil ihm bei einem Einsatz womöglich eine Sperre durch den Weltverband FIFA gedroht hätte. RB befindet sich momentan im Streit mit dem französischen Verband, nachdem Augustin seine Reise zur U21 abgesagt hatte. Die FFF hatte sich daraufhin mit Bezug auf die angebliche Abstellungspflicht bei der FIFA beschwert. Eine fünftägige Frist war jedoch bis Sonntag datiert. „Wenn der Verband meint, uns vor die FIFA zerren zu müssen, dann müssen sie das machen“, sagte Rangnick.