Wettstein: „Trainerteam kann rigoros durchgreifen“

Nach der Freistellung von Heribert Bruchhagen und Jens Todt in der vergangenen Woche wurde am Montag mit Trainer Bernd Hollerbach auch der dritte Mann der Hamburger Fußballkompetenz entlassen. Interims-Vorstandschef Frank Wettstein erläuterte kurz darauf die Beweggründe und die weitere Planung des Vereins.

Nur sieben Wochen nach seiner Vorstellung wurde Hollerbach wieder aus dem Hamburger Traineramt enthoben. Dem 48-Jährigen gelang in dieser Zeit kein einziger Sieg. Bei der 0:6-Pleite in München mangelte es an allen Ecken und Enden. „Der Umstand, dass die Mannschaft in München ausgerechnet seine Grundtugenden nicht eingebracht hat, hat uns alle sehr überrascht“, meinte Wettstein im Interview auf der Vereinshomepage. „Darum habe ich mich auch so intensiv mit unserem Direktor Sport Bernhard Peters und mit unserem Aufsichtsratsvorsitzenden Bernd Hoffmann ausgetauscht und um ihre Expertise gebeten. Das Resultat war eindeutig: Wir sahen uns zum Handeln gezwungen.“ Mit dem bisherigen U21-Trainer Christian Titz als Übungsleiter wollen die Hanseaten sich weiter gegen den drohenden Abstieg stemmen.

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„Weil wir für unsere Chancen im Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt den Impuls eines unverbrauchten Trainers gebrauchen können“, erklärte Wettstein die Beförderung des 46-Jährigen. „Man kann bei den Bayern verlieren, aber es kommt auf die Art und Weise und die Bereitschaft zur Gegenwehr an. Das Trainerteam genießt unser Vertrauen und hat volle Rückendeckung, was Personalentscheidungen betrifft.“ Und diese könnte es nach der desaströsen Vorstellung beim Rekordmeister durchaus geben. „Sollte das neue Trainerteam Spieler identifizieren, die sich nicht mit ausreichend Engagement den gemeinsamen Zielen widmen, kann es rigoros durchgreifen“, stellte Wettstein klar.

HSV-Vorstandschef verurteilt Gewaltandrohungen

Der ehemalige HSV-Profi Thomas von Heesen soll dem neuen Coach unterstützend zur Seite stehen. „Bei ihm werden in den kommenden Wochen die tagesoperativen Managementfäden für die Bundesliga zusammenlaufen“, sagte Wettstein. Von Heesen wird das Bindeglied zwischen den sportlichen Verantwortlichen und dem Vorstand bilden. Vor einem kompletten Ausverkauf im Falle des Abstiegs müssen sich die Anhänger in Hamburg nicht fürchten. „Eine Großzahl unserer Akteure hat einen gültigen Zweitligavertrag. Und wir werden bestimmt nicht jeden wechselwilligen Profi ziehen lassen, der uns mit in diese Lage gebracht hat“, kündigte der studierte Betriebswirt entschlossen an.

Wettstein verurteilte weiterhin die Reaktion einiger Unbekannter, die nach der Niederlage in München Grabkreuze und ein Drohplakat vor dem Volksparkstadion hinterlassen hatten. „Diese Art der Unmutsäußerung, die mit einer konkreten Gewaltandrohung platziert wurde, ist unangemessen, strafrechtlich relevant und wird von uns – wie auch die Verharmlosung einer solchen Aktion – aufs Schärfste verurteilt“, unterstrich der 44-Jährige. „Wer solche Plakate produziert und platziert, der schadet unseren Spielern, weil er sie womöglich verängstigt oder wirklich bedrohen will, der schadet unserem Klub, jedem Mitarbeiter und am Ende auch sich selbst.“