Weydandt: „Es gibt vieles, das sich nicht ändern darf“

Foto: Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images

Irgendwann wurden Hendrik Weydandt die Fragen nach seinem märchenhaften Aufstieg zum Fußballprofi und die entsprechenden Titulierungen ein bisschen zu viel. Das oftmals übertriebene Gehabe um die hoch bezahlten Kicker will Weydandt auf keinen Fall an sich heranlassen, den entsprechenden Rummel ebenfalls nicht.

„‚Henne‘ reicht“, sagte der grundsympathische Hoffnungsträger von Hannover 96 kurz und knapp auf die Frage, wie er denn nun genannt werden wolle. „Es gibt immer noch vieles, das sich nicht ändern soll und auch nicht ändern darf.“ Die Dreier-WG mit den alten Kumpels beispielsweise und das BWL-Studium, bei dem Weydandt noch an der Bachelor-Arbeit strickt, Abgabetermin Ende September. Zwei Kurzeinsätze, drei Schüsse, drei Tore – spektakulärer konnte die Profikarriere des 23-jährigen Senkrechtstarters indes kaum beginnen. Noch vor vier Jahren kickte Weydandt in der Kreisliga Hannover-Land beim TSV Groß Munzel. Und erst im Juli wechselte er aus der Regionalliga zur U23 von Hannover 96 und bot sich durch gute Trainingsleistungen bei den Profis an.

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Seine Joker-Qualitäten sind aktuell herausragend: Für seine drei Treffer gegen den Karlsruher SC und den SV Werder Bremen brauchte der 1,95-Meter-Hüne gerade einmal 23 Spielminuten. „Er hat sich durch Fleiß seinen aktuellen Status erarbeitet – deshalb ist das vielleicht auch kein Zufall“, formulierte Breitenreiter, 96-Präsident Martin Kind ergänzte: „Ein Stürmer wird an Toren gemessen – und die schießt er. Er ist sehr sympathisch, aber auch sehr selbstbewusst.“ Und vertraute daher die Verhandlungen über den neuen Profivertrag nicht etwa einem der zahlreichen Berater der Szene an, sondern seinem Vater, einem Steuerfachmann. Am Montagabend kam eine Einigung mit dem Verein in Person von Horst Heldt zustande. Ein Kontrakt bis 2020, mit dem Weydandt „so richtig als Profi anfangen“ kann.

„Ich bin jemand vom Dorf“

‚Henne‘ wäre nicht der erste Spätzünder, der sich in der Bundesliga durchsetzt, ohne je in einer regionalen Jugendauswahl gestanden oder ein Nachwuchsleistungszentrum besucht zu haben. Der spätere Weltmeister Miroslav Klose beispielsweise trug noch mit 19 Jahren in der Bezirksliga das Trikot der SG Blaubach-Diedelkopf, ehe er beim 1. FC Kaiserslautern durchstartete. Doch am Rekord-Torschützen bei WM-Endrunden will sich der bodenständige Neuprofi („Ich bin jemand vom Dorf“) nicht messen lassen: „Das ist ein netter Vergleich, aber auch viel zu hoch gegriffen.“ Gemein ist Klose und Weydandt dennoch, dass sie mit ihrem Karriereweg absolute Ausnahmen sind. Dass Talente jahrelang durch alle Raster fallen und nirgendwo gescoutet werden, passiert immer seltener. Und das weiß natürlich auch Heldt: „Diese Geschichte ist ein Fußball-Märchen, wie es im heutigen Profifußball nur noch ganz selten vorkommt.“