Žulj auf der Überholspur

Lange musste sich Robert Žulj gedulden, bevor bei der TSG 1899 Hoffenheim eine Rolle spielte. Trainer Julian Nagelsmann hält große Stücke auf den Offensivakteur, der mit Verspätung zum Glücksgriff werden könnte.

Im Sommer kam Žulj ablösefrei vom Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth, zog sich in der Sommer-Vorbereitung aber prompt eine hartnäckige Schambeinentzündung zu. Zwar kehrte er bereits im November auf den Trainingsplatz zurück, benötigte wegen seines Rückstands aber noch Zeit, um sich der hochkarätigen Konkurrenz im offensiven Mittelfeld zu erwehren. Seine Premiere und seinen einzigen Einsatz 2017 feierte er gegen Ludogorez Rasgrad (1:1) im letzten Gruppenspiel der Europa League – in dem Nagelsmann einen Mix aus Reservisten und Nachwuchsspielern aufbot. Gegen die Bulgaren durfte er 69 Minuten spielen, schaffte es in den folgenden drei Ligaspielen bis zur Winterpause aber nicht in den Kader.

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Die Vorbereitung auf die Rückrunde nutzte Žulj dann, um sich in den Vordergrund zu spielen – zumindest kam er seinen ersten Bundesliga-Minuten etwas näher. Nachdem er dreimal über die volle Distanz auf der Bank geblieben war, stimmte Nagelsmann vor der Partie gegen Hertha BSC (1:1) ein regelrechtes Loblied auf den spielstarken Regisseur an. „Robert Žulj hat in den vergangenen Wochen sehr gut trainiert und drängt sich auf. Er hat hier aufgrund seiner schweren Verletzung in der Hinrunde noch keine große Rolle gespielt, aber das könnte sich bald ändern“, prophezeite der Fußballlehrer vor rund einem Monat.

Startelf-Premiere gegen Freiburg

Tatsächlich verhalf er Žulj in Berlin zu seinem 20-minütigen Erstliga-Debüt, das dieser beinahe mit einem Tor krönte. Aus kurzer Distanz setzte er den Ball in den Schlussminuten aber über die Latte. Es sollte dennoch nicht die letzte Cchance für ihn bleiben. Bei der 1:2-Auswärtsniederlage beim FC Schalke 04 kam er nach einer Stunde ins Spiel und empfahl sich für mehr. Beim jüngsten 1:1-Remis im Baden-Duell gegen den SC Freiburg verdrängte er den zuletzt enttäuschenden Nadiem Amiri auf die Bank und feierte seine Startelf-Premiere für die TSG in der Liga.

Ein klares Zeichen: Žulj hat sich im Dunstkreis der ersten Elf etabliert, nachdem er lange nicht mal ein Kandidat für den Spieltagskader war. Einwandfrei war sein solider, aber selten auffälliger Auftritt gegen die Breisgauer freilich nicht. Nagelsmann übte indirekt Kritik an dem „Achter“-Duo Dennis Geiger und Žulj und forderte mehr Mut aus dem Mittelfeld. „Gefehlt haben die Spieler im gegnerischen Strafraum, die zum Abschluss kommen können. Es war meist nur Ádám (Szalai; Anm. d. Red.) in diesem Bereich. Das reicht nicht, um Tore zu machen“, haderte er. Dass er noch Luft nach oben hat, ist Žulj mit Sicherheit klar. Der Trend zeigt aber deutlich nach oben.